Wir über uns - das Essener Frauenbündnis
Eine kurze Geschichte in Jahresdaten
Teil 2: 2000-2003

2000

Keine welkt so schön wie ich

Veranstaltung am 3. September 2000 im Jugendzentrum Papestraße

Tanz, Informationen, Gesang und Theater, dazu noch eine Fotoausstellung von "berühmten" oder interessanten Essener Frauen wie "Du und ich", die wir aus der Zeitung kennen oder denen wir beim Einkaufsbummel auf der Kettwiger Straße oder im Supermarkt an der Ecke begegnen können.
Dazu Gespräche zu den Themen "Was heißt denn hier Oma?", "Wohnen und leben im Alter" und "Alte Liebe rostet nicht - Sexualität auch nicht?"
Das alles zusammen ergab die Veranstaltung des Essener Frauenbündnisses.
Frauen aus Vereinen, Verbänden, Institutionen und Betrieben haben sich zusammengefunden und diese Veranstaltung vorbereitet. Natürlich waren auch jüngere Frauen herzlich eingeladen.

Solidarität
Unsere Gesellschaft ist dauerhaft auf das Miteinander der Generationen angewiesen.
Solidarität unter den Generationen, gegenseitiges Verständnis und Toleranz können nur dann erwartet werden, wenn es gelingt, die Dialogfähigkeit auf hohem Niveau weiter zu entwickeln.

Zum Dialog gehört es, nicht übereinander zu reden, sondern andere zu Wort kommen zu lassen, etwas voneinander zu hören und zu verstehen.

Ältere Menschen und hier vor allem ältere Frauen sind heute fit und fähig, ihren Alltag zu gestalten, ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu nutzen und Spaß zu haben an ihren Aktivitäten. Sie können Vorbild sein für Frauen von heute, aber sicher auch von Ideen und Vorstellungen der jüngeren Frauen lernen.

Geschichte und Geschichten von Frauen gestern und heute wollten wir für die Zukunft zusammenbringen.
Im Rahmen der Veranstaltung:
- hatten ältere Frauen die Möglichkeit, ihre Ideen, Projekte und Aktivitäten vorzustellen.
- sind junge und ältere Frauen miteinander ins Gespräch gekommen.

Ältere Menschen sind bereit ihr Wissen weiterzugeben, in Beratungsfunktionen tätig zu sein, in ehemaligen Tätigkeitsfeldern mit unterschiedlichen Methoden den Konsens zwischen den Generationen zu fördern, sich sozialpolitisch zu engagieren und moderne Techniken zu entdecken.

Dieses Bild ist deutlicher geworden und die unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungshaltungen wurden lebhaft diskutiert. Die Veranstaltung wurde überaus gut angenommen. Den ganzen Tag über strömten Essener und Essenerinnen in den großen Saal des Jugendzentrums.

Das Programm der Veranstaltung
- Info-Stände und Büchertisch
- "Lebenswege" eine Fotoausstellung von Essener Bürgerinnen
- Fotoausstellung "berühmter" Essener Frauen

Was heißt denn hier Oma? Frauenbilder gestern und heute
Dialogrunde mit:
Georgia Kaiser - Politikerin
Sabine Große - Jungunternehmerin
Annette Uttendorfer - Jungsozialisten
Regina Raschke - Künstlerin
Gisela Hochfeld - Referentin kath. Familienbildungsstätte

Leben und Wohnen im Alter, Kurzreferat von Frau Türkan Yilmaz
Deutsches Rotes Kreuz
Diskussionsrunde mit Frauen aus Ländern Europas

"Alte Liebe rostet nicht - Sex auch nicht ?"
Workshop rund um Informationen und Auseinandersetzung mit dem Thema "Älter werden und Sexualität", Erika Peiffenberger und Gerlinde Zlotos, evgl. Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität

Rahmenprogramm
- Improvisationstheater "Wortkomp(l)ott"
- Tanzgruppe der Essener Seniorengemeinschaft für Sport u. Freizeit
- Lie-Lo Hilbig - Chansons von Kopf bis Fuß
Moderation der Veranstaltung: Julia Stotz, WDR

2001

Frauen in Europa

23. November 2001 im Beratungszentrum Lore-Agnes-Haus für Familienplanung, Schwangerschaftskonflikte und Fragen der Sexualität.

Themen der Veranstaltung waren:

  • Schwangerschaftsabbruch in Europa,
  • Kabarettistische Aufarbeitung zum Thema Frauen
  • Vergleich von Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen in Europa

Die Europaabgeordnete Karin Junker stellte eine umfassende Zusammenfassung der Entwicklung, der Aktionen und der aktuellen Situation zu den gesetzlichen Rahmenbedingung zum Thema "Schwangerschaftsabbruch in Europa" vor. Eine Diskussion konnte nur eingeschränkt stattfinden, da der zeitliche Rahmen dies nicht mehr zuließ.

Nach der Einstimmung auf das Thema "Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen" durch die Kabarettistin Simone Fleck, konnte die geplante Gesprächsrunde mit Frauen aus Russland, Griechenland und Frankreich beginnen.

Die Teilnehmerinnen der moderierten Runde haben ihre eigenen Erfahrungen aus den Heimatländern eingebracht und ergänzt um statistische und persönliche Kenntnisse zu folgenden Themenkreisen diskutiert:

  • Kinderbetreuung (Aktuelle Situation im Land, aber auch Bedeutung der eigenen Betreuung der Kinder)
  • Wohnungssituation
  • Anteil Frauenerwerbstätigkeit
  • Arbeitszeiten - dadurch bedingter Familienzusammenhalt
  • Juristische und religiöse Hintergründe von Familie
  • Stabilität von Familie
  • Situation nach Scheidung
  • Behinderte Frauen: berufliche Situation / Wohnsituation
  • Frauenbild: Idealvorstellung - wie wird sie gelebt?
  • Gesellschaftliches Engagement (Polit. und soz. Aufgaben)
  • Maßnahmen von Staats wegen zur Frauenförderung und Familienpolitik
  • Wie durchlässig ist eine Gesellschaft, Frauen Berufstätigkeit zuzugestehen (in Führungsetagen, in techn. Berufen, Lehrstühle ...)
  • Wer übernimmt welche Verantwortung in der Familie (Erziehungszeit für Männer, Teilzeitarbeit) - welche Alternativen gibt es?

Den Teilnehmerinnen ist es unterstützt durch die engagierten Fragen und Statements der Frauen aus dem Publikum gelungen einen differenzierten Einblick in die Vielfalt, aber auch die Gemeinsamkeiten von Frauenleben in Europa zu geben.
Die Veranstaltung war eine gelungene Auseinandersetzung mit der Situation von Frauen in europäischen Ländern.
Viele Frauen nutzten die Chance im Anschluss an das Programm bei einem gemeinsamen Essen über die Eindrücke und Ergebnisse zu diskutieren, sich kennen zu lernen und Netzwerke zu knüpfen.

2002

Bundespolitik gleich Politik für Frauen?

Frauen fordern Fakten

Frauenförderung und Frauenpolitik waren am 4. September 2002 vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl die Themen einer Diskussion mit Vertreterinnen von Parteien in der Marktkirche.

Zahlen und Daten
  • Am 22. September 2002 fand die Wahl zum 15. Bundestag statt.
  • 61,2 Mio. Deutsche waren wahlberechtigt, davon 52 % Frauen.
  • 1949 waren von 411 Abgeordneten 28 Frauen. Das sind 6,81%.
  • 2002 waren von insgesamt 666 Abgeordneten 207 Frauen. Das sind 31,08%.

Frauen im Bundestag und im Regierungskabinett
2002 waren ca. 1/3 der Abgeordneten Frauen. 6 von 14 Ministerien wurden von Frauen geführt, darunter die klassisch weiblichen Ressorts wie Familie, Senioren, Frauen und Jugend, aber auch wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gesundheit und Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Wissenschaft.

INRA Umfrage
Repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts INRA veröffentlicht in der Zeitschrift "Journal für die Frau" Ausgabe 12/02.

Ergebnisse:
  • Frauen wollen vor allem ihre eigene Lebenssituation, die ihrer Familie und Kinder gefördert haben.
  • 81 % mehr Chancen für den Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause
  • 80 % Forderung nach einer umfassenden Schulreform, Ziel europäisches Niveau
  • 75 % Ausbau von Ganztagskinderbetreuung und Steuererleichterungen für allein Erziehende
  • 75 % Familienarbeit sollte durch Rente, Familiengeld und Ähnliches unterstützt werden
  • 69 % Die Bundesfinanzen sollen zu Gunsten sozialer, bildungspolitischer und familienfördernder Bereiche umstrukturiert werden
  • 43 % glauben, dass es mehr Ehrlichkeit und Transparenz in der Politik gäbe, wenn mehr weibliche Abgeordnete im Deutschen Bundestag säßen
Frauen fordern Fakten

Die Essener Frauen haben Fragen formuliert:

  • Haben wir die Wahl zwischen unterschiedlichen Programmen der Frauenförderung?
  • Haben wir die Wahl zwischen mehreren opulenten Mahlzeiten oder werden wir mit leeren Versprechungen abgespeist?
  • Welche Politik gibt Frauen die Chance, selbstbestimmt zu leben?

Alle interessierten Frauen waren herzlich eingeladen Visionen und Vorstellungen - Fakten und Forderungen zu diskutieren.

Teilnehmerinnen der Diskussionsrunde waren:
  • Ulrike Flach MdB, FDP
  • Ulla Jelpke MdB, PDS - innenpolitische Sprecherin der Fraktion
  • Vera Etterich, Bündnis 90/Die Grünen, Bundestagskandidatin
  • Susanne Asche, CDU, Rat der Stadt Essen
  • Britta Altenkamp, SPD, MdL

Moderation: Annett Bartl (Radio Essen )

Die Resonanz war groß, die Marktkirche voll. Die Politikerinnen hatten nicht viel Zeit ihre Vorstellungen von einer Politik auch für Frauen auf der Bundesebene vorzustellen, denn viele der anwesenden Frauen hatten Fragen, die sie an die Frau bringen wollten. Bildung, Kinderbetreuung, die Erwerbssituation, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die große Politik, aber auch die individuellen konkret erlebten Situationen, Problemlagen und Ansprüche wurden vorgestellt und engagiert diskutiert. Viele Fragen konnten beantwortet, viele Anmerkungen den Politikerinnen mit auf den Weg gegeben werden. Für ein gemeinsames Ergebnis und Bündnis unter allen Frauen war es sicherlich nicht der richtige Zeitpunkt, es war Wahlkampfzeit.

2003

April 2003

Das "Hartz-Papier" und seine Folgen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt
Angesichts des raschen wirtschaftlichen, technologischen und strukturellen Wandels kann es sich kein Staat leisten, Fähigkeiten und Fertigkeiten seiner Bevölkerung ungenutzt zu lassen. Eine Voraussetzung für das Erreichen eines hohen Beschäftigungsstandards ist die Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. (Geleitwort zum Hartz-Konzept)

Unter der Fragestellung "Was bringt uns das Hartz Konzept und seine Maßnahmen und welche Auswirkungen hat dies für die Frauen?" haben das Essener Frauenbündnis, die Gleichstellungsstelle und die Katholische Familienbildungsstätte Essen zu einer Veranstaltung am 8. April um 18.00 Uhr in die Katholische Familienbildungsstätte in der Bernestraße eingeladen.
Zur Diskussion standen zur Verfügung:
Carmen Tietjen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
Christel Steylaers von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros
Maria Grüger Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt vom Arbeitsamt Essen
Die Moderation hat Roswitha Paas von der Katholischen Familienbildungsstätte Essen übernommen.

Carmen Tietjen erläuterte was sich hinter dem Titel "Hartz-Papier" verbirgt.
Christel Steylaers machte mit der Stellungnahme der BAG - Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros zum Reformkonzept der Hartz-Kommission vertraut und veranschaulichte ein paar der dort angesprochenen Punkte.
Maria Grüger vom Arbeitsamt Essen gab einen Überblick dazu. wie sich die Situation zur Umsetzung auf Ebene der örtlichen Arbeitsämter aktuell darstellte und wo Sie die Knackpunkte für die Frauen sah.

Auch nach einer guten Vorstellung der Referentinnen und einer regen Diskussion mit den Teilnehmerinnen, die zum Teil konkrete Erfahrungen und Informationen aus der Praxis einbringen konnten, haben wir gemeinsam festgestellt: Nichts genaues ist bekannt, aber wichtig ist es aufmerksam zu bleiben und den weiteren Prozess zu verfolgen.

Dezember 2003

Aktion: Sie sind betroffen reihen Sie sich ein!
Am Freitag, den 5. Dezember 2004 haben Vertreterinnen des Essener Frauenbündnisses auf der Kettwiger Straße auf die drohenden Einschränkungen der Arbeit für Frauen in Essen hingewiesen.
An der Aktion nahmen Vertreterinnen von u.a. dem Frauenhaus, Frauen Treff & Beratung, der Familienbildungsstätten der Arbeiterwohlfahrt und der Katholischen Kirchengemeinden, des Diakoniebüros der evangelischen Kirchengemeinde, der Neuen Arbeit der Diakonie, dem Beratungszentrum für Familienplanung, Schwangerschaftskonflikten und Fragen der Sexualität, Lore-Agnes-Haus teil. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Essen hat die Aktion koordiniert.

Unter dem Motto "Sie sind betroffen, reihen Sie sich ein!" wurden Essener Bürgerinnen und Bürger über die beabsichtigten Kürzungen im Bundes- und nunmehr auch im Landeshaushalt und deren Auswirkungen auf die Arbeit informiert. Nicht nur die Institutionen und ihre Mitarbeiterinnen sind betroffen, sondern alle Bürgerinnen und Bürger die die Beratungs- und Unterstützungsangebote wahrnehmen wollen.

Neben der Beeinträchtigung von Angeboten, die sich speziell an Frauen richten, treffen Frauen auch Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik, der gesundheitlichen Versorgung, der Familienbildung, der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung, der Verbraucherberatung, der Altenhilfe und in vielen anderen Bereichen.

Wie das für unsere Stadt aussieht - dazu hier einige Beispiele:
  • Das Land hat die Stadt aufgefordert langfristig Horte zur Finanzierung der offenen Ganztagsgrundschulen zu schließen. Dies hätte zur Konsequenz, dass ein qualifiziertes und verlässliches Kinderbetreuungsangebot weg fällt.
  • Das kurzfristige Hilfsangebot für Frauen nach Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch - der Notruf - müsste ab 2004 eingestellt werden.
  • In den Frauenhäusern kann die Arbeit durch den Wegfall einer Stelle qualitativ nicht gehalten werden. Notwendige Unterstützungsleistungen für die betroffenen Frauen und Kinder müssten drastisch eingeschränkt werden.
  • Im Bereich der Familienbildung stehen Streichungen von Projekten, die Erhöhung der Kursgebühren und damit eine Ausgrenzung von einkommensschwachen Familien und die Einschränkung der Arbeit in den Stadtteilen an.
  • Es wird weniger Maßnahmen für Frauen geben, die in den Beruf zurückkehren bzw. berufstätig sein wollen. Dies hat zur Folge; keine eigenständige finanzielle Absicherung, keine oder geringe Rentenansprüche und im Notfall die Abhängigkeit von Leistungen der Arbeits- oder Sozialverwaltung.

Die Aktion war ein großer Erfolg.
Über 600 Unterschriften konnten spontan gesammelt werden und viele Stimmen sprachen sich für ein weiterbestehen der Angebote für Frauen in Essen aus.
Am darauf folgenden Dienstag kam die frohe Botschaft aus Düsseldorf.
Die politischen Gremien erklärten ihre Absicht, die Kürzungen im Landeshaushalt für 2004 und 2005 zum großen Teil zurück zu nehmen. Konkret wurde benannt:

  • Die Beibehaltung der 4. Stellen in den Frauenhäusern
  • Der Erhalt der Notrufstellen für Frauen nach sexualisierter Gewalt
  • Der Erhalt der Mädchenzufluchtsstätten und die Weiterbewilligung der Unterbringungskosten für Opfer von Frauenhandel

Auch die Angebote der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung sollen weiterhin bestehen bleiben.

Dies ist als ein großer Erfolg für das Engagement der Frauen in Essen und Nordrhein-Westfalen zu werten. Das Essener Frauenbündnis freut sich mit allen Einrichtungen, die auch weiterhin für und mit Frauen und Mädchen in Essen und NRW arbeiten können.
Die LAG der kommunalen Frauenbüros/Gleichstellungsstellen NRW schreibt dazu:
Die Auseinandersetzungen um den Landeshaushalt 2004/2005 haben gezeigt, dass gemeinsame, vielfältige und solidarische Anstrengungen von Frauenorganisationen und Frauenpolitikerinnen zu erkennbaren Erfolgen führen.